13. Juni 2020
Ja, ich bin's tatsächlich! Es brauchte tatsächlich ein paar arbeitsfreie Tage, in einem anderen Umfeld, ohne Termindruck damit ich mir endlich die Zeit nehme um an meinem Blog weiterzuschreiben. Wie in meinem früheren Bericht erwähnt, wurden meine Ferien aufgrund verschiedener Begebenheiten, nicht nur coronavirus-bedingt, verschoben und verkürzt. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich bin im sonnigen Tessin gelandet! Wobei.. ich muss mich korrigieren: das Adjektiv "sonnig" passt diesmal überhaupt nicht zu meinem Lieblingskanton Tessin. Es scheint meteorologisch die schlechteste Woche in diesem Sommeranfang zu sein.
Nun, das Wetter können wir ja Gottseidank nicht ändern, darum machen wir einfach das Beste daraus. Und mit was oder wie ich meine Ferientage im Tessin ausgefüllt habe, das möchte ich Dir natürlich nicht vorenthalten. Vielleicht bist Du ja auch ein Liebhaber des méditerranen Feelings und geniesst das südländische Flair im Tessin wie ich? Dann findest Du eventuell in meinem Bericht ein paar Tipps für Deinen nächsten Ausflug. Wenn nicht; dann hoffe ich, dass Du einfach so ein paar Minuten der Gegenwart entfliehen kannst und ich Dir vielleicht auch mal ein Schmunzeln abgewinnen kann:)
Den Ferienanfang haben mein Partner und ich auf Samstagmorgen geplant. Gemütlich mit dem Zug Richtung Bellinzona, unterwegs ein mitgebrachtes Picknick im 2.Klass-Wagen der SBB. Was will man mehr? Ein Unwohlsein bezüglich Abstandseinhaltung ist bei mir übrigens nie aufgetreten. Und ich achte sehr wohl immer noch diszipliniert auf diesen Punkt! Nach einem genüsslichen Espresso auf der Piazza Grande (ja richtig erraten, ich war in Locarno) ging es dann weiter zu unserer Wohnung. Der Tag verlief dann unspektakulär mit Auspacken, Balkonmöbel raus, Einkaufen fürs Wochenende, die Seele baumeln lassen und ankommen.
Die Wettervorhersagen für die kommenden Tage waren zum himmelschreiend! Echt jetzt! Endlich nach soo langer Zeit Ferien und dann so was! Plan B muss her. Bikini zurück in die unterste Schublade, Sonnencreme eintauschen gegen Blasenpflaster, Wanderschuhe im hintersten Schrank suchen und hoffen, dass diese noch was taugen. Und so kam es, dass wir uns eine Liste aufstellten, welche Orte wir gerne erkunden würden.
Der erste Ausflugstag war der Montag. Die grösste Herausforderung an der Planung unseres ersten Wandertages, war das Zeitfenster mit dem trockenen Wetter richtig in unseren Tagesablauf einzuberechnen. Mit der Fart (Tessiner PTT) ging es los Richtung Monte Carasso, wo wir die Seilbahn Richtung Curzütt bestiegen. Auch hier: absolute Disziplin bezüglich Vorsichtsmassnahmen: nur mit Handschuhen und Mundschutz durfte die kleine Gondelbahn bestiegen werden.
Der Hotspot der Wanderung sollte die tibetanische Hängebrücke sein. Diese Brücke ist 270m lang und wiegt ungefähr 50 Tonnen. Sie wird als eine der längsten Hängebrücken Europa's bezeichnet und ermöglicht die Überquerung des unwegsamen Tals, welches die Gemeinden von Monte Carasso und Sementina trennt. Der Aufstieg bis zur tibetanischen Brücke erwies sich als anstrengend. Jedenfalls für mich untrainierten Bürogummi. Steil führte der Weg durch wunderschönen, dichten Wald und geizte auch nicht mit langen Treppenabschnitten. Ausser Atem bei der Brücke angekommen, entschädigt mich der Anblick in das 130m tiefer unten gelegene Tal für die durchgemachten Strapazen. Hoffentlich ist mein Selbstbewusstsein, welches ich extra für diesen Ausflug aufbaute, beim Treppensteigen nicht verloren gegangen, denke ich noch als ich die lange Brücke erspähte.
Ich entschloss mich, als Erste über die Brücke zu gehen. Keine langen Überlegungen und los! Was ich Dir vorweg eventuell noch beichten sollte: ich bin nicht schwindelfrei; leide unter Höhenangst! Ich starrte unentwegt auf den mir gegenüberliegenden Brückenkopf, summte ein Lied in meinem Kopf und verbat mir nach unten zu sehen. Und was soll ich sagen: ich hab's geschafft! Mein Adrenalinspiegel liess mich in meinem Kopf wie eine Weltmeisterin sehen und das machte mich Stolz! Den Ausblick von der Hängebrücke hinab ins Tal liess ich mir dann von meinem Partner genauer erläutern; ich hab ja nichts gesehen:) Aber das bleibt unter uns, gell!
Weiter gings wieder ein Stück steil bergauf, durch üppige Wälder Richtung Sementina. An einem Brunnen hielten wir kurz Pause und genossen unseren mitgebrachten Lunch. Nun steht der Abstieg bevor. Juhui, dachte ich! Aber da war ich nicht die Einzige. Auch das über die langen Regentage angesammelte Wasser in den Wäldern suchte sich einen Weg bergab ins Dorf. Und deshalb kreuzten sich unsere Wege: Das Wasser lief genau unserem Wanderweg entlang. Also hiess es: Einen Schritt vor dem Anderen, Vorsicht beim Auftreten, ja nicht Ausrutschen. Es war ein mühsamer Abstieg.
Da uns Petrus mit dem angekündigten Regen noch ein weiteres Zeitfenster schenkte, verlängerten wir unsere Wanderung bis nach Gudo. Wo wir dann aber, ehrlich gesagt, erschöpft von den ungewohnten Strapazen, dankbar mit dem Postauto zurück nach Locarno fuhren.
Guten Morgen! Bereits ist Dienstag, der 9. Juni. Heute ist eine Erkundungsreise mit dem Auto angesagt. Nein, nein, ich habe keinen Muskelkater, kein schmerzendes Ziehen in den Waden. Blasen? Aber ich doch nicht:)
Wir fahren mit dem Auto nach Morcote. Es zieht mich immer wiedermal in das romantische Städtchen am Luganersee. Wahrscheinlich liegt es an den schönen Kindheitserinnerungen, die ich mit diesem Ort verbinde. Nach einem Rundgang durch Morcote und den dahinterliegenden Hügeln geht die Fahrt weiter nach Lugano. Hier gönnen wir uns einen kleinen Imbiss und schlendern durch die Gassen bevor wir den Nachhauseweg antreten.
Was schon Mittwoch? Wir müssen aus dem Nichts-Tun-Tramp raus und uns bewegen! Also heisst es wieder: Rucksack packen, Wanderschuhe an.. na ja, Du kennst das ja bereits. Die Fahrt geht wiederum mit der Fart, diesmal nach Ronco S. Ascona. Ich muss schon sagen, die Chauffeure hier im Tessin habens wirklich drauf! Die Strasse war zum Teil so schmal, dass ich schon mehrmals bereits die rechte Autoseite aufgerissen vom Felsen sah. Aber wir sind gut in Ronco angekommen und wurden mit einer herrlichen Aussicht auf den Lago Maggiore belohnt. Unser Ziel heute heisst: Über den Monte Verita Richtung Locarno. Das sollte doch für mich erprobten Wanderer mit unglaublicher Kondition kein Problem darstellen:) Und dem war auch so: Es war eine schöne Wanderung, mit einem kurzen Halt in einer kleinen Snackbar am Waldrand. Aber auch heute waren es immerhin wieder um die 9 km, die wir gelaufen sind.
Neben dem guten Gefühl etwas für die Fitness, für den Körper getan zu haben, gibt es einem auch die Möglichkeit völlig abzuschalten, den Kopf frei zu machen; oder tiefergründige Gespräche zu führen, für welche sich man sonst nie die Zeit nimmt oder die Zeit nehmen will.
Der Donnerstag wurde in meinem Meteo-App als wirklich "gruusig" angezeigt. So lag der Entscheid nahe, ins nächstgelegene Spa einzuchecken. Was für eine tolle Idee! Zwar war der Eintritt nicht ganz günstig, aber die gebotene Anlage, war die Investition wert. Auch hier wurde das Social-Distancing gut umgesetzt und auch kontrolliert. Es war herrlich in dem warmem Wasser die Muskeln und Seele baumeln zu lassen!
Tiefenentspannt und gelöst ging es am Freitag wieder auf Wanderschaft. Mit der Centovallibahn, welche von Locarno bis an die italienische Grenze führt, ging es nach Verdasio. Die Centovallibahn fährt eigentlich bis nach Italien. Da aber zu diesem Zeitpunkt die Grenzen noch geschlossen sind, verschieben wir den Italienbesuch auf einen späteren Zeitpunkt. Von Verdasio aus ging es mit einer Seilbahn Richtung Raso. Diese Seilbahn wird Ende dieses Jahres aussser Betrieb genommen. Und ich bin ehrlich gesagt froh, dass ich nicht als letzter Seilbahnkunde in die Geschichte eingehen werde. Die Bahn sah nicht mehr soo vertrauenswürdig aus. Aber die Aussicht war toll! Oben, in Rasa, angekommen, konnten wir wegen dem schlechten Wetter nur einen Rundgang durch das kleine Dorf machen. Die geplante Wanderung fiel buchstäblich ins Wasser. Deshalb ging es bald wieder mit der Seilbahn runter nach Verdasio. Kurz entschlossen nahmen wir den Weg Richtung Intragna unter die Füsse, wo wir uns dann in einem Bahnhofbuffet mit Gault Millau Sternen einen sehr teuren Espresso gönnten. Nach wiederum 9km Fussmarsch nahmen wir wiederum die Centovallibahn zurück nach Locarno.
Juhui, heute ist Samstag. Was steht auf dem Programm? Schönes Wetter! Endlich! Stell Dir vor, es soll bis heute ca. 17h trocken bleiben. Also entschliessen wir uns nach Locarno zu spazieren und ein wenig zu flanieren. Aber um 13h muss ich gestylt bereit sein. Mein Partner hat eine Überraschung für mich. Die Autofahrt führte nach Ascona und weiter Richtung Brissago, dann die Berge hinauf. Bin gespannt, wo es hingeht!
Ein Mittagessen in einem unglaublich romantischen Grotto, hoch über dem Lago Maggiore war mein Geschenk! So schön! Was will man mehr! Es war einfach himmlich und das Essen ausgezeichnet! Ich kann Dir einen Besuch dort nur ans Herz legen. Genauere Angaben findest Du auf meinen Fotos (Grotto Borai, Brissago:) )
Sonntag, 14. Juni 2020. Ein herrlicher Tag steht uns wettertechnisch bevor. Das haben wir auch verdient, nach diesem manchmal trüben, bewölkten, wechselhaften Ferientagen. Nach einem reichhaltigen Frühstück (selber gemachte Rösti mit Spiegelei) starten wir gestärkt in den Tag. Zu Fuss geht es entlang des Seeufers vom Lago Maggiore Richtung Muralto. Das ist war keine sooo sportliche Leistung wie in den letzten Tagen, aber es waren dann bei Rückkehr doch immerhin wieder ca. 6 km. Aber ich will ja nicht vorgreifen. In Muralto gibt es ein hübsches Restaurant, das Gardino. Leider war der obere Stock mit der Terrasse nicht geöffnet. Aber auch vom normalen Gartenrestaurant her, hat man einen wunderbaren Blick auf den See. Die Sonne schien wirklich nach bestem Wissen und Gewissen und führte sich ihre Aufgabe wieder vor Gesicht: es war um die 23 Grad warm, herrlich. Ein kleiner Imbiss, welcher ausgezeichnet mundete und das Portmonnaie um einiges an Gewicht erleichterte, gönnten wir uns an diesem idyllischen Platz. Danach ging es wieder dem See entlang zurück Richtung Locarno Lido. Noch einen Zwischenhalt einlegen, Espresso trinken, und zurück nach Hause.
An Morgen mag ich gar nicht denken. Ich freue mich zwar, dass es Montag ist und ich nicht in aller Herrgottsfrüh aus dem Bett fallen muss um zur Arbeit zu erscheinen, aber bei mir bedeutet der morgige Montag: Putztag! Ferienwohnung auf Vordermann bringen! Denn am Dienstag geht's zurück in den Alltag. Wahrscheinlich werde ich mich morgen also nicht bei Dir melden. So spannend ist ja der Hausputz nun auch nicht.
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Die zwar verkürzten und örtlich geänderten Ferien waren trotz des durchzogenen Wetters sehr erholsam, erlebnisreich und schön! Ich habe es genossen, meinen Lieblingsplatz in der Schweiz, den Tessin, mal in Ruhe näher kennen lernen zu dürfen und Zeit für sportliche Aktivität verbunden mit der Natur und stressfrei auszuführen.
Ich hoffe, Du kannst vielleicht ein paar Ideen bei Deiner nächsten Reise durch den Gotthard mitnehmen und wünsche Dir eine gute, gesunde Zeit!
Dein Wörterdieb