Zweiter Frühling

03. Juni 2021


Es gibt ihn tatsächlich: den zweiten Frühling! Nein, nicht den zweiten Frühling, den man erfährt, wenn man ein gewisses Alter erreicht hat. Obwohl: vielleicht hat das eine ja auch mit dem anderen zutun; denn gewisse Empfindungen, erfährt man erst nach einigen Lebensjahren.


Ich meine heute den zweiten Frühling, der jetzt gerade stattfindet. Nach wochenlangem schlechten Wetter hat die Natur nun endlich die Möglichkeit sich zu entfalten, die Jungvögel sindbereitihreNesterzu verlassen und die Menschen treffen sich wieder ausserhalb ihrer Wohnung. 


Das absolute Highlight dieses Frühlings ist aber, dass wir ab anfangs dieser Woche wieder mehr Freiheiten im Leben erfahren dürfen: die Restaurants haben geöffnet, kulturelleAktivitätenfindenwiederstatt uvm. Diese Freiheit habe ich gleich genutzt, um am Mittwoch ein Konzert unter freiem Himmel zu besuchen. Wie toll war das denn?!! Ein grosser Platz in einemIndustriegebiet mitKiesboden, einpaar Tische und Bänke, ein kleiner Kiosk, welcher Getränke und Imbiss anbietet, eine improvisierte Bühne für die Musikband und der Abend war einfach herrlich! Endlichwiedermal mitgleichgesinntenMusikfans ein Live-Konzert zugeniessen: Toll! Es sind diese Kleinigkeiten, welche mir in den letzten Monaten gefehlt haben und ich diese nun umso mehr zu schätzenweiss. 


In meiner Biographie wird es wahrscheinlich einmal zwei Kapitel geben: Ein Leben vor Corona und dasjenige nach Corona. Ich glaube nicht, dass ich ein Mensch bin, der alleseinfachalsSelbverständlichhinnimmt oder undankbar ist. Im Gegenteil, ich habe durch meine Erfahrungen gelernt, das Leben jeden Tag zu schätzen und positive Gedanken zu pflegen. Corona hat miraberaufgezeigt,dass ich diekleinen Annehmlichkeiten wieder mehr schätzen muss, wie zB einen Kaffeeklatsch mit einer Kollegin auf einer hübschen Terrasse, ein  Kinobesuch mit der Mutter oä.Natürlichhabe ich diese Anlässeauch früher schon genossen und mir Zeit dafür genommen, aber sich bewusst zu werden, dass es nicht als selbstverständlich hingenommen werden darf, dieseAktivitätendurchzuführen, das ist eineweitere Erfahrung, welche ich in den letzten Tagen gemacht habe. 


Statt immer nach Grösserem, nach noch Mehr zu streben, sollte man dankbar für die kleinen Schönheiten des Lebens sein und diese vollumfänglich geniessen. Das führt auch unwillkürlich zu mehrZeit.MehrZeit zum Leben, intensivem Leben. Ich hoffe, das ich diese Empfindungen bei mir verinnerlichen kann und mich diese Erkenntnis während meiner nächsten Jahre begleitet. 


Ich kann mir denken, was Du jetzt sagst: Versteckt sich hinter dem Wörterdieb eventuell ein buddhistischer Mönch? Nein, sicher nicht, aber ich gebe zu, die buddhistische Denkweise hat mich schonimmer fasziniert und ich habe auch schon viel Literatur darüber verschlungen. Teile dieser Lebensweise haben auch Platz in meinem Dasein gefunden; aber das ist ein anderes Thema. Und ich möchte Dichjetzt nicht noch länger aufhalten.


Ich wünsche Dir einen unvergesslich schönen Frühling!


Dein Wörterdieb